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Das neue Selbstbewusstsein Schwarzer plädiert für Talente-Ballung an zwei Standorten
29.06.2010 / Saarbrücker Zeitung
Kategorie: HSG Völklingen
 
 
 
Inhalt:

Das neue Selbstbewusstsein Schwarzer plädiert für Talente-Ballung an zwei Standorten Landestrainer sieht

in Daniel Fontaine

ein Paradebeispiel

Der Jugendkoordinator des Handballverbandes spricht sich für deutlich stärkere Zusammenarbeit aus – „Nicht auf sich selbst schauen“ Handball: Top-Talente feiern Erfolge – Vier Spieler im Nationalkader – Bundesstützpunkt bleibt ein großes Ziel

Vier Nachwuchsspieler im erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft – kein Wunder, dass der Handballverband Saar der Zukunft mit einem neuen Selbstbewusstsein entgegen blickt. Die Ziele des Verbandes bleiben hoch.Christian Schwarzer, der Jugendkoordinator des Handballverbandes Saar, hat sich im Gespräch mit der SZ für eine Konzentration der besten Jugendspieler an zwei Standorten im Saarland ausgesprochen. Ziel ist eine Qualitätssteigerung.

Von SZ-Redakteur

Kai Klankert

Saarbrücken. Viel verändert habe sich in den letzten zwölf Monaten nicht, sagt Dirk Mathis. Die Trainingsumfänge seien gleich – und die Bedingungen an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken sowieso. Und doch ist irgendetwas anders, wenn es um die Leistungsspitze im saarländischen Nachwuchs-Handball geht. Klar, Christian Schwarzer ist seit einem Jahr als Jugendkoordinator des Handballverbandes Saar für die Entwicklung der Talente mitverantwortlich neben Mathis, dem Landestrainer. Das hat Impulse gegeben und sich mit der kontinuierlichen Aufbauarbeit von Mathis zu einem respektablen Zwischenergebnis summiert.

Dass die besten Jugendspieler des Landes, konzentriert an der saarländischen Eliteschule des Sports, dem Gymnasium am Rotenbühl in Saarbrücken, allerdings gleich das Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia gewinnen würden, nein, damit war wahrlich nicht zu rechnen. Schließlich sind da auch andere Sportgymnasien und Kooperationspartner von Handball-Bundesligisten am Start. „Die gesamte Trainingsgruppe hat sich von der Leistungsstärke her ein gutes Stück verbessert“, sagt Mathis, „sie hat im athletischen und im technischen Bereich zugelegt.“

Dabei macht die Gruppe – und das gesteht auch Dirk Mathis ein – eher einen heterogenen Eindruck. Sei es Größe, Gewicht oder Alter. Schließlich tummeln sich bei den Trainingseinheiten die Jahrgänge 1992 bis 1996 herum. Doch Schwarzer und Mathis verstehen es, ein für alle passendes Programm mit jeweils individuellen Akzenten zusammenzustellen. Und das scheint zu greifen. Gleich vier Spieler – und das ist für ein kleines Bundesland wie das Saarland beinahe sensationell – haben es in den erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft geschafft: Peter Walz, Peter Resch, Yves Kunkel (alle HSG Völklingen) und Davide Servello (HG Saarlouis). Kunkel feierte über Pfingsten, beim internationalen Peterstaler Cup in Freiburg, gar sein Länderspiel-Debüt.

Nach den Sommerferien werden die vier Top-Talente einmal in der Woche an den nächstgelegenen Stützpunkt des Deutschen Handballbundes (DHB) fahren, um sich in noch größeren Konkurrenzsituation weiterzuentwickeln. Das wird in Kronau sein. Dort, wo Christian Schwarzer seine aktive Karriere beendete. In der Heimat der Rhein-Neckar Löwen. „Das wird die Jungs voranbringen“, glaubt Schwarzer, der auch Jugendkoordinator des DHB ist.

Eine zweite Trainingseinheit nach den Vorgaben des DHB absolvieren Walz, Resch, Kunkel und Servello in Saarbrücken. Es könnte ein Vorgriff auf ein ehrgeiziges Ziel sein, das sich Christian Schwarzer bei seinem Amtsantritt gesteckt hat. Nämlich einen Bundesstützpunkt nach Saarbrücken zu holen. Die Rahmenbedingungen stimmen schon heute. Die Sportschule bietet alle Trainingsmöglichkeiten für eine gesamtheitliche Ausbildung, das Rotenbühl-Gymnasium als Eliteschule des Sports den schulischen Rahmen, in den sich bis zu zehn Trainingseinheiten in der Woche integrieren lassen. Was (noch) fehlt, ist eine ausreichende Zahl an Talenten. Doch da ist weder Schwarzer noch Mathis mit Blick auf die Zukunft bange. „Das ist kein Jahrhundert-Jahrgang mit den vier Nationalspielern, wir haben auch hintendran viele talentierte Spielerinnen und Spieler, die einen ähnlichen Weg gehen können“, sagt Landestrainer Mathis, „sie müssen es nur wollen. Die Möglichkeiten, die Jungs an die Bundesliga heranzuführen, haben wir hier.“

Das sieht Schwarzer genauso. Nur will er den umgekehrten Weg gehen, sich den Status eines DHB-Stützpunktes für das Saarland und eventuell auch Rheinland-Pfalz nicht „erkaufen“, sondern über starke Nachwuchsarbeit und immer neue Talente erarbeiten. „Dann ist das zu realisieren“, sagt er. Und dieses Selbstbewusstsein im Saar-Handball ist definitiv neu und eine riesengroße Veränderung zum Vorjahr.Saarbrücken. „Ich weiß, dass wir die Breite brauchen. Mein Ziel ist es nicht, Vereine in Schwierigkeiten zu bringen. Sie sollen nicht glauben, die Breite würde nicht ausreichend gefördert. Aber mein Denken ist ein Leistungsdenken.“ Wenn Christian Schwarzer über die Nachwuchsförderung im saarländischen Handball spricht, wählt er deutliche Worte. Denn der Jugendkoordinator des Handballverbandes Saar sieht eine Menge Verbesserungsbedarf an der Basis, bei den Vereinen.

„Ich verstehe die Vereine, aber es ist schade, dass viele nur auf sich selbst schauen. Gerade weil wir hier im Saarland so viel Potenzial haben“, sagt Schwarzer. Sein Vorschlag: eine deutliche stärkere Zusammenarbeit. Und: Die besten Jugendspieler sollen an zwei Standorten im Saarland konzentriert werden. Mit dem Ziel, durch die Ballung die Qualität zu erhöhen. Eben, um in der Jugend-Regionalliga nicht nur dabei zu sein, sondern den Ton anzugeben, oben mitzuspielen, Titelambitionen zu hegen. „Ich war gerade erst bei den Final-Four-Turnieren der A- und B-Jugend. Ich halte es durchaus für möglich, dass da auch mal eine saarländische Mannschaft dabei ist“, sagt Schwarzer. Nur werde das ein Verein allein nicht schaffen.

Auch Landestrainer Dirk Mathis befürwortet Kooperationen. Als Mittel zur Standortsicherung: „Kein Talent muss das Saarland verlassen. Aber dazu muss es uns auch gelingen, in allen Bereich ein entsprechendes Angebot zu haben.“

Vielleicht könnten in der Frage nach der Art der Zusammenarbeit die Fußballer als Vorbild dienen. Dort hat der Verband die Gründung von so genannten Juniorenfördergemeinschaften (JFG) ermöglicht. Dies sind eigenständige Vereine, die von Stammvereinen getragen werden. Die Spieler starten für die JFGs, bleiben aber ihren Stammvereinen erhalten. Im Fußball sind die JFGs in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen: JFG Saar-Halberg, JFG Obere Saar, JFG Marpingen, JFG Illtal, JFG St. Ingbert, JFG Saarschleife, JFG Hochwald Losheim. Fast überall im Land haben Clubs die Chance ergriffen, um leistungsorientierter zu arbeiten und damit – auch angesichts des demografischen Wandels und der stetig größer werdenden Alternativen – ihr eigenes Überleben zu sichern.

„Wir wollen die Spitze gezielter als bisher fördern“, sagt Christian Schwarzer, „deswegen wäre es wünschenswert, wenn Vereine kooperieren.“ Am liebsten natürlich in einem Zwei-Standorte-Modell. kai

Saarbrücken. Handball-Landestrainer Dirk Mathis sieht im Saarland inzwischen ideale Voraussetzungen für Talente, den Sprung nach ganz oben zu schaffen. „Niemand braucht wegzugehen, da jetzt auch das entsprechende Vereinsangebot da ist.“ Mathis meint hiermit den Aufstieg der HG Saarlouis in die 2. Bundesliga vor einem Jahr und den nun geschafften Klassenverbleib. Zwar seien die Regionalligisten HF Untere Saar und VTZ Saarpfalz bedauerlicherweise aus der Regionalliga abgestiegen, dafür gebe es für den Nachwuchs sehr viele Möglichkeiten, in der RPS-Oberliga erste Erfahrungen im Aktivenbereich zu sammeln. Mathis ist selbst Trainer der HG Saarlouis II in der RPS-Liga.

Als Paradebeispiel für eine positive Entwicklung nennt Mathis den Saarlouiser Rückraumspieler Daniel Fontaine (20): „Er hat sich seinen Status als absoluter Leistungsträger nur dank der regelmäßigen Spielpraxis erwerben können. Und das funktioniert hier im Saarland eben.“ kai

„Die gesamte Trainingsgruppe hat sich von der Leistungsstärke her ein gutes Stück verbessert.“

Dirk Mathis,

Landestrainer

des Handball-

verbandes Saar

Auf einen Blick

Diese Mannschaften haben sich für die Jugend-Regionalligen qualifiziert. Die Saison 2010/2011 in der höchsten deutschen Jugend-Spielklasse beginnt Anfang September. Die Saar-Vereine spielen in der West-Staffel.

Männlicher Nachwuchs: A-Jugend: HSG Völklingen, HG Saarlouis; B-Jugend: HSG Völklingen, SV 64 Zweibrücken.

Weiblicher Nachwuchs: A-Jugend: TBS Saarbrücken; B-Jugend: TBS Saarbrücken, DJK Marpingen, SG DJK Oberthal/Namborn. red

Auf einen Blick

Diese Talente werden vom Handballverband Saar aktuell besonders gefördert (nach Angaben des Verbandes): Lukas Götz (HG Saarlouis), Joline Müller (JSG Nordostsaar), Marina Bleimehl (DJK Marpingen), Yannik Gabler, Marvin Mebus, Peter Resch, Yves Kunkel, Peter Walz (alle HSG Völklingen), Davide Servello (HG Saarlouis), Lucian Scheid (SG Brotdorf-Mettlach), Johannes Bochem (HG Saarlouis), Björn Zintel, Yannik Glöckner (beide SV 64 Zweibrücken), Raphaela de Agazio (JSG Saarbrücken West). kai

Bildunterschrift

Landestrainer Dirk Mathis (links) und Jugendkoordinator Christian Schwarzer besprechen sich auf der Tribüne. Foto: Ruppenthal

Davide Servello, Peter Resch und Yves Kunkel (von links) gehören dem Kreis der Nationalmannschaft an. Sie sind gemeinsam mit Peter Walz die neuen Aushängeschilder des Handballverbandes Saar. Foto: Thomas Wieck

 
 

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